Die Angabe auf dem Zifferblatt ist ein Prüfdruck, kein Tauchversprechen. 1 bar entspricht 1 ATM und rund 10 Metern Wassersäule. 3 bar heißt Spritzwasser, 5 bar Händewaschen und Regen, 10 bar Schwimmen, 20 bar Schwimmen und Schnorcheln ohne Bedenken. Gerätetauchen verlangt eine Uhr nach ISO 6425, nicht nur eine Zahl. Dichtungen altern, deshalb alle zwei bis drei Jahre prüfen lassen – und die Krone nie im Wasser öffnen.
bar, ATM, Meter: dieselbe Zahl, drei Schreibweisen
Hersteller schreiben, was gerade auf das Blatt passt. 20 bar, 20 ATM und 200 m meinen dasselbe: Die Uhr hat im Labor einem statischen Druck von 20 bar standgehalten. 1 bar ist ungefähr der Luftdruck auf Meereshöhe, 1 ATM (physikalische Atmosphäre) liegt bei 1,013 bar – der Unterschied ist für Uhren bedeutungslos. Die Meterangabe rechnet den Druck in eine Wassersäule um: 10 Meter Wasser erzeugen etwa 1 bar zusätzlich. Auf dem Papier stimmt das. Im Wasser kommt Bewegung dazu, und die erzeugt Druckspitzen, die der Laborwert nicht abbildet. Deshalb heißt „200 m“ nicht: Du kannst 200 Meter tief.
Was mit welcher Angabe geht
| Angabe | Regen, Spritzwasser | Händewaschen | Duschen | Schwimmen | Schnorcheln | Gerätetauchen | Typische Uhren |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 3 bar / 30 m | ja | mit Vorsicht | nein | nein | nein | nein | Dress Watches, Orient Bambino (Test folgt) |
| 5 bar / 50 m | ja | ja | nicht empfohlen | kurz, ohne Sprung | nein | nein | Viele Alltagsuhren, Seiko Presage (Test folgt) |
| 10 bar / 100 m | ja | ja | ja, kalt | ja | ja | nein | Seiko 5 Sports SRPD, Pagani Design PD-1661 (Tests folgen) |
| 20 bar / 200 m | ja | ja | ja, kalt | ja | ja | nur mit ISO 6425 | Orient Kamasu, San Martin SN0017, Steeldive SD1953 (Tests folgen) |
| ISO 6425 „Diver’s 200 m“ | ja | ja | ja | ja | ja | ja, im Rahmen des Sporttauchens | Zertifizierte Taucheruhren, meist mit „Diver’s“ auf dem Blatt |
Konservative Lesart nach Herstellerhinweisen von Seiko und Orient. Manche Hersteller erlauben bei 5 bar Schwimmen, andere raten ab – die Bedienungsanleitung der eigenen Uhr gilt. Warmes Wasser, Seife und Sauna sind bei jeder Angabe ein Risiko, siehe unten.
ISO 22810 gegen ISO 6425
Zwei Normen, zwei Welten. ISO 22810:2010 regelt „wasserdichte Uhren“ für den Alltag und hat 2010 die alte ISO 2281 ersetzt. Sie beschreibt Prüfungen für Wasserfestigkeit bei geringer Tiefe, Kondensation und Druck – geprüft wird stichprobenartig aus der Serie. Eine Uhr mit „100 m“ oder „200 m“ ohne den Zusatz „Diver’s“ läuft in der Regel unter dieser Norm. ISO 6425:2018 regelt Taucheruhren. Sie verlangt mindestens 100 Meter, einen Überdrucktest bei 125 Prozent des angegebenen Drucks, Kondensationsprüfung, eine Zeitvorwahl (meist die einseitig drehbare Lünette), Ablesbarkeit aus 25 Zentimetern im Dunkeln, Magnet- und Stoßfestigkeit sowie 48 Stunden in Salzwasser. Und sie verlangt, dass jede einzelne Uhr geprüft wird, nicht nur eine Stichprobe.
Die Kamasu hat 200 Meter, verschraubte Krone, drehbare Lünette und Leuchtmasse. Sie ist trotzdem keine Taucheruhr im Normsinn, weil Orient sie nicht nach ISO 6425 zertifiziert hat. Für alles, was du im Urlaub im Wasser machst, ist das egal. Für den Tauchgang mit Flasche nicht – dort ist die Uhr Sicherheitsinstrument, und das Instrument braucht die Norm.
Die verschraubte Krone
Die Krone ist die größte Öffnung im Gehäuse. Eine verschraubte Krone presst ihre Dichtung gegen das Gehäuserohr und ist damit die wichtigste Einzelmaßnahme für Wasserdichtigkeit. Sie bringt aber nur etwas, wenn sie zugeschraubt ist. Der klassische Wasserschaden entsteht nicht in 20 Metern Tiefe, sondern beim Händewaschen mit offener Krone. Regel: Krone vor dem Wasserkontakt prüfen, Krone nie unter Wasser bedienen, nach dem Salzwasser mit Süßwasser abspülen. Bei Uhren ohne verschraubte Krone (Bambino, Seiko 5 Sports) gilt dasselbe, nur ohne Gewinde.
Warum Duschen trotzdem keine gute Idee ist
Nicht wegen des Drucks. Wegen der Temperatur und der Chemie. Warmes Wasser dehnt Gehäuse und Dichtungen unterschiedlich aus, der Wechsel von heiß auf kalt kann Feuchtigkeit ins Gehäuse ziehen. Seife und Shampoo greifen Dichtungen an. Seiko und Orient schließen Dusche, Bad und Sauna in ihren Anleitungen unabhängig von der Wasserdichtigkeit aus. Wer es trotzdem tut, riskiert wenig Sichtbares – bis zu dem Tag, an dem sich das Glas von innen beschlägt.
Dichtungen altern
Die Angabe auf dem Blatt galt am Tag der Prüfung. Dichtungen aus Gummi verhärten, verlieren Fett, werden von Schweiß, Sonnencreme und Chlor angegriffen. Nach drei bis fünf Jahren ist eine 200-Meter-Uhr ohne Wartung vielleicht noch eine 50-Meter-Uhr, vielleicht auch nicht mehr. Auslöser für einen Verlust der Dichtigkeit sind außerdem jeder Batteriewechsel, jeder geöffnete Boden und jeder Sturz auf die Krone. Wer regelmäßig schwimmt, lässt alle zwei bis drei Jahre prüfen. Wer die Uhr nur trägt, nach jeder Öffnung.
Prüfen lassen
Der Uhrmacher prüft mit einem Druck- oder Vakuumtester in wenigen Minuten, meist für 10 bis 30 Euro [ungeprüft], teils kostenlos beim Batteriewechsel. Der trockene Test zeigt, ob das Gehäuse dicht ist, ohne die Uhr nass zu machen. Ein Nasstest bei mehreren bar folgt bei Taucheruhren. Das Ergebnis ist eine Zahl für heute, kein Zertifikat für die nächsten Jahre. Uhren, die einmal Wasser gezogen haben, gehören sofort zum Uhrmacher: Ein beschlagenes Glas ist ein Werk, das in 48 Stunden zu rosten beginnt.
Unsere Haltung
Für alles, was ein normaler Mensch mit einer Uhr im Wasser macht, genügen 10 bar mit verschraubter Krone. 20 bar sind Reserve, kein Freibrief. Wir verdienen an den Amazon-Links auf dieser Seite. Wir sagen trotzdem: Wer wirklich taucht, kauft eine Uhr mit „Diver’s“ auf dem Blatt oder einen Tauchcomputer – und die Kamasu für den Rest der Woche.
Häufige Fragen
Kann ich mit einer 200-Meter-Uhr 200 Meter tauchen?
Nein. 200 m bedeutet einen statischen Prüfdruck von 20 bar im Labor. Für Gerätetauchen braucht eine Uhr die Zertifizierung nach ISO 6425, die Überdruck, Kondensation, Ablesbarkeit und Stückprüfung verlangt. Ohne diese Norm sind 200 m eine Reserve fürs Schwimmen und Schnorcheln.
Was ist der Unterschied zwischen bar und ATM?
Praktisch keiner. 1 ATM sind 1,013 bar. Beide geben den Prüfdruck an, 10 Meter Wassersäule entsprechen etwa 1 bar. 5 bar, 5 ATM und 50 m sind dieselbe Angabe.
Darf ich mit 5 bar schwimmen?
Kurz und ohne Sprung ins Wasser meistens ja, viele Hersteller raten trotzdem ab. Der Grund sind Druckspitzen bei Bewegung und alternde Dichtungen. Wer regelmäßig schwimmt, nimmt 10 bar mit verschraubter Krone.
Ist die Orient Kamasu eine Taucheruhr?
Sie hat 200 m, verschraubte Krone und drehbare Lünette, ist aber nicht nach ISO 6425 zertifiziert. Für Schwimmen und Schnorcheln genügt sie ohne Einschränkung, für Gerätetauchen ist sie kein Instrument im Normsinn.
Wie oft sollte man die Wasserdichtigkeit prüfen lassen?
Bei regelmäßigem Wasserkontakt alle zwei bis drei Jahre, außerdem nach jedem Öffnen des Gehäuses. Der Trockentest beim Uhrmacher dauert wenige Minuten und kostet grob 10 bis 30 Euro.
Warum beschlägt das Glas meiner Uhr von innen?
Weil Feuchtigkeit im Gehäuse ist – über eine offene Krone, eine verhärtete Dichtung oder einen Temperaturschock. Nicht abwarten: Feuchtigkeit greift das Werk innerhalb weniger Tage an. Sofort zum Uhrmacher.
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